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Kulturelles Erbe tritt in unterschiedlichen Formen und Manifestationen auf, wobei die Unterscheidung zwischen materiellen Gegenständen und immateriellen Praktiken bzw. Ideen eine erste grobe Unterscheidung darstellt. Es ist aber gerade das spezifische Zusammenspiel dieser beiden Dimensionen, etwa in „traditionellen” Institutionen, „heiligen” Texten oder „Kulturlandschaften”, das es zu beachten gilt.

Kulturelles Erbe ist etwas Neues; etwas, das seine Bedeutung, Funktion und Wirksamkeit im Hier und Jetzt besitzt bzw. entfaltet. In diesem Sinne ist kulturelles Erbe dezidiert ein Phänomen, das in den Bereich gegenwartsbezogener Geisteswissenschaften und Gesellschaftswissenschaften gehört.

Dieses Neue zeichnet sich allerdings charakteristischerweise dadurch aus, dass es Bezug nimmt auf Altes und Vergangenes, welches entweder imaginiert wird oder tatsächlich existiert (hat) oder, wie in den meisten Fällen, eine Kombination von historischen Gegebenheiten und gegenwartsbezogenen Imaginationen darstellt. In diesem Sinne ist kulturelles Erbe ein Phänomen, das in den Bereich der historisch ausgerichteten Geisteswissenschaften fällt.

In dieser dialektischen Interdependenz von Neu und Alt konstituiert das Phänomen „Kulturerbe” ein Forschungsfeld, das in besonderer Weise dazu geeignet ist, gegenwartsbezogene und historische Wissenschaften zu Kooperationen zu verbinden.

Wenngleich unsere Gegenwart durch eine Hochkonjunktur der Produktion von „Kulturerbe” gekennzeichnet zu sein scheint, so haben doch auch vergangene Gesellschaften sich jeweils in ihren Gegenwarten kulturelles Erbe angeeignet. In dieser Verschränkung „gegenwärtiger Vergangenheit” und „vergangener gegenwärtiger Vergangenheit” verbirgt sich das große Potential interdisziplinärer, auch anwendungsbezogener Forschung.

 

‘Cultural heritage’ does emerge in many different manifestations. A first distinction reveals major implementations of either material goods or intangible ideas resp. rites that come along with the term. Therefore, ‘cultural heritage’ can be a traditional institution, a holy text or even a ‘cultural landscape’.

Cultural heritage is something new; something that reveals its significance, function and effect within present days – a phenomenon that belongs to contemporary humanities and social sciences. This new concept however refers to the past, whether this past is imagined or real. Most often, it is a combination of both.

Within the dialectic interdependence of ‘old’ and ‘new’ the phenomenon of cultural heritage constitutes a field of research that is suitable to combine historical and contemporary sciences – as cooperations.

Even though our present age seems to be characterized by a boom producing ‘cultural heritage’, former societies also acquired ‘the past’ within their presence. The interconnection of ‘present past’ and ‘real past’ offers great potential for interdisciplinary and applied research.

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